Ein Sommerurlaub soll Erholung, Freude und neue Eindrücke bringen. Doch Krankheit, Verletzungen und Beschwerden lauern manchmal auch in den schönsten Urlaubszielen. Ein unangenehmer Sonnenbrand, eine heftige Magenverstimmung nach dem Genuss lokaler Speisen, allergische Reaktionen auf unbekannte Pollen oder Insektenstiche können aus einem erholsamen Urlaub schnell eine Qual machen. Wer rechtzeitig eine gut sortierte Reiseapotheke zusammenstellt, ist in solchen Situationen bestens vorbereitet und spart sich gleichzeitig mühsame Apothekensuchen in fremden Ländern, in denen man die Sprache nicht spricht oder die gewohnten Präparate schlicht nicht erhältlich sind.
Eine Reiseapotheke sollte immer an das individuelle Reiseziel, die Reisedauer und die Gruppe der Mitreisenden angepasst werden. Wer mit Kindern reist, braucht andere Präparate als ein junges Paar. Wer in die Tropen fährt, muss andere Vorbereitungen treffen als jemand, der nach Südeuropa reist. Im Folgenden stellen wir eine umfassende Grundausstattung für den typischen Sommerurlaub vor.
Schmerzmittel und Fiebermittel
Zu den absoluten Grundbestandteilen jeder Reiseapotheke gehören Schmerzmittel. Paracetamol und Ibuprofen sind die beiden gängigsten und zuverlässigsten Schmerzmittel für den Hausgebrauch. Paracetamol eignet sich besonders gut zur Fiebersenkung und bei leichten bis mittelstarken Schmerzen. Es ist magenfreundlich und für Schwangere nach ärztlicher Rücksprache geeignet. Ibuprofen wirkt zusätzlich entzündungshemmend und ist bei Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Menstruationsbeschwerden und leichten Entzündungen sehr wirksam. Beide Präparate sollten in ausreichender Menge eingepackt werden. Aspirin kann alternativ mitgenommen werden, eignet sich jedoch nicht für Kinder unter 12 Jahren.
Mittel gegen Magen und Darmprobleme
Reisediarrhoe ist eine der häufigsten Reiseerkrankungen. Sie wird durch infiziertes Wasser, ungekühlte Speisen oder Lebensmittel mit unbekannten Keimen ausgelöst. Loperamid (Imodium) hemmt die Darmmotilität und kann bei akutem Durchfall kurzfristig Erleichterung verschaffen, sollte aber nicht bei fieberhaftem Durchfall oder blutigen Stühlen eingesetzt werden. Oral Rehydratationssalze (ORS) sind in solchen Fällen wichtiger als Hemmer, da sie den Flüssigkeit und Elektrolytverlust ausgleichen und besonders bei Kindern lebensrettend sein können.
Gegen Übelkeit und Reisekrankheit (Kinetose) helfen rezeptfreie Präparate wie Dimenhydrinat (Vomex, Dramamine) sehr gut. Diese Mittel sollten etwa 30 Minuten vor der Busfahrt, Bootsfahrt oder dem Flug eingenommen werden. Gegen Sodbrennen und Magensäurebeschwerden sind Antazida wie Maaloxan oder Pantoprazol sinnvolle Ergänzungen.
Sonnenschutz und After Sun Präparate
Im Sommerurlaub zählen hochwertige Sonnenschutzmittel mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor zur wichtigsten Ausrüstung. Für Südurlaube empfehlen sich Produkte mit LSF 30 bis 50, für Strandurlaube mit intensiver Sonnenexposition und bei hellen Hauttypen LSF 50 plus. Wer Kinder mitnimmt, sollte speziell für Kinder geeignete Produkte verwenden, die auf empfindliche Kinderhaut abgestimmt sind und UVA sowie UVB Schutz bieten.
Bei einem Sonnenbrand leisten beruhigende After Sun Lotionen mit Aloe Vera oder Panthenol gute Dienste. Sie kühlen, feuchten und fördern die Hautregeneration. Lippen Sonnenschutz sollte ebenfalls eingeplant werden, da die Lippenhaut besonders dünn und sonnenempfindlich ist. Gegen starke Sonnenbrandreaktionen mit Blasenbildung oder Fieber ist ein kortikosteroidhaltiges Gel (z.B. Hydrocortison Creme) hilfreich.
Wundversorgung und erste Hilfe Material
Eine kompakte Grundausstattung für die Wundversorgung gehört in jede Reiseapotheke: sterile Pflaster in verschiedenen Größen, elastische Binden, sterile Wundauflagen und ein antiseptisches Wundreinigungsmittel wie Octenisept oder Betaisodona. Kleine Schnitten, Schürwunden und Insektenstichreaktionen lassen sich damit gut versorgen. Eine Pinzette zum Entfernen von Holzsplittern oder Zecken sowie eine Schere runden das Set ab. Bei Zeckenstichen ist eine möglichst schnelle Entfernung der Zecke wichtig, um das Borrelien Infektionsrisiko zu minimieren.
Ein kleines Fieberthermometer sollte ebenfalls nicht fehlen, besonders bei Reisen mit Kindern. Digitale Fieberthermometer sind kompakt und liefern schnelle, zuverlässige Ergebnisse.
Allergiemittel und Augentropfen
Antihistaminika (Allergietabletten) wie Cetirizin oder Loratadin sollten in keiner Reiseapotheke fehlen. Sie helfen nicht nur bei Pollenallergien, sondern auch bei allergischen Reaktionen auf Insektenstiche, Quallenkontakt oder unbekannte Nahrungsmittel. Für Personen mit bekannten schweren Allergien (z.B. Erdnuss oder Wespenstich Allergie) ist ein Notfall Set mit Adrenalin Autoinjektor (Epipen) Pflicht und sollte immer griffbereit sein.
Augentropfen mit abschwellender oder feuchtigkeitsspendender Wirkung sind bei trockenen Klimaanlagen oder staubigen Umgebungen sehr hilfreich. Bei bekannter Bindehautentzündung sollten antibiotische Augentropfen auf Rezept mitgenommen werden.
Individuelle Medikamente und Rezeptpflichtiges
Alle regelmäßig einzunehmenden Medikamente müssen in ausreichender Menge und mit dem Original Beipackzettel mitgenommen werden. Für Reisen in Länder mit strengen Einfuhrbestimmungen (z.B. USA, VAE) empfiehlt sich ein ärztliches Attest mit Diagnose und Medikationsliste in englischer Sprache. Schlafmittel, starke Schmerzmittel und bestimmte Psychopharmaka unterliegen in manchen Ländern Betäubungsmittelregelungen, was bei der Einreise zu Problemen führen kann.
Praxiszeiten empfiehlt, die individuelle Reiseapotheke idealerweise mit dem Hausarzt oder in der Apotheke zusammenzustellen. Apotheker können auf Basis des Reiseziels, der Reisedauer und besonderer Risikofaktoren maßgeschneiderte Empfehlungen geben. Eine gut bestückte Reiseapotheke ist kein Luxus, sondern eine Investition in einen sorgenfreien und gesunden Urlaub.